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Jüdisches Leben in Pankow

Vom Anbeginn zum Neubeginn

Ausstellung

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Jüdische Sozialeinrichtungen in Pankow II

Der "Hilfsverein für jüdische Taubstumme" richtete zunächst in einer gemieteten Etage der Pankower Schloßstraße 8 (Ossietzkystraße) im September 1908 ein erstes Altersheim für jüdische Taubstumme ein.

Zunehmende antisemitische Hetze, Ausgrenzung und Berufsverbote haben viele jüdische Familien zur Vorbereitung auf ihre Auswanderung veranlasst. In so genannten Umschichtungslagern haben jüdische Institutionen Lehrgänge zur Umschulung oder Erlernung handwerklicher Berufe eingerichtet. In Niederschönhausen stellte der Flaschenhändler Paul Latte einen Teil seines großen Fabrikgeländes in der Hermannstraße (Wackenbergstraße) zur Verfügung. 1935 lernten hier 45 Männer in Werkstätten zur Ausbildung von Schlossern, Schmieden und Tischlern, einige Mädchen waren in der Küche, der Wäscherei und der Nähstube beschäftigt.
Aus einer jüdischen Zeitung vom 4. September 1908: Die Räume konnten dem steigenden Bedarf nicht mehr genügen, und so wurde 1912 in der Niederschönhausener Kaiserin-Augusta-Straße 37 (Tschaikowskistraße) ein dreigeschossiger Neubau errichtet. Hier lebten bis zu 50 ältere taubstumme Frauen und Männer.
Das Heim, ein sozialer, kultureller und geselliger Ort der Kommunikation, stand auch nichtansässigen Taubstummen offen. Jüdische Kinder aus der Umgegend durften in den Ferien im großen Garten spielen.
Die von William und Martha Naumann gestiftete Synagoge
Vom Pankower Bürgermeister beantragte Zwangsenteignung
Bis zum 31. März 1940 musste das Heim geräumt sein. Die alten Leute wurden in der Israelitischen Taubstummen-Anstalt in Weißensee untergebracht, von wo aus sie zwei Jahre später nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert wurden. Jungen jüdischen Knaben eine gediegene handwerkliche Ausbildung zu vermitteln, war Anliegen der "Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaus unter den Juden im preußischen Staate". In Berlin führte dieses Bemühen im Oktober 1891 zur Einrichtung eines ersten jüdischen Lehrlingsheimes in der Pankower Mühlenstraße 1. Die Räumlichkeiten genügten bald nicht mehr, und so wurde in der Mühlenstraße 24 (ehemals Nummer 20) im Mai 1896 ein neues Haus gebaut.
Zeitungsausschnitt aus einer jüdischen Zeitung vom Oktober 1895
Ein Verein "Lehrlingsheim Pankow" wurde gegründet, der durch Mitgliedsbeiträge, Stiftungen und Spenden die nötigen Mittel für die Lehrlingsbetreuung und den Erhalt des Heimes sicherte.
Titelblatt "Achter Verwaltungsbericht" und Statistik der Berufe. Erster Leiter des Lehrlingsheimes war der Lehrer Max Willinski in den Jahren 1891 bis 1906, ihm folgte
Oskar Israel als Direktor von 1906 bis 1936
Rückseite des Hauses mit Garten und den Lehrwerkstätten für Schuster und Schneider in den Flachbauten
In der Schneiderei
Die Tischlerei
Anläßlich des 100jährigen Bestehens dieses Hauses als jüdisches Lehrlingsheim wurde am 17. Mai 1996 an der nach 1945 hier eingerichteten Caragialen Stadtbezirksbibliothek eine Tafel eingeweiht.
Arnold Julius enthüllt die Tafel. Zunehmende antisemitische Hetze, Ausgrenzung und Berufsverbote haben viele jüdische Familien zur Vorbereitung auf ihre Auswanderung veranlasst. In so genannten Umschichtungslagern haben jüdische Institutionen Lehrgänge zur Umschulung oder Erlernung handwerklicher Berufe eingerichtet. In Niederschönhausen stellte der Flaschenhändler Paul Latte einen Teil seines großen Fabrikgeländes in der Herrmannstraße (Wackenbergstraße) zur Verfügung. 1935 lernten hier 45 Männer in Werkstätten zur Ausbildung von Schlossern, Schmieden und Tischlern, einige Mädchen waren in der Küche, der Wäscherei und der Nähstube beschäftigt.
Der Leiter, Ingieneur Leopold Kuh, genannt Poldi. 1936 wurde dem Umschichtungslager eine Tagesschule für Berufsvorlehre für schulentlassene Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren angeschlossen.
Taubenfüttern auf dem Gelände
Jungens mit Spaten
In der Schmiede
Die Lehrer (v. l.) Dr. Koestrich, Fuhrmann Wirtschaftsleiterin, Schulleiter Dr. Isaacsohn, Arzt
Klassenfoto 1936/37 mit Lehrer Fuhrmann (l.)
Zeugnis von Willi Jacob
Aus den Arbeitsheften für Fachtheorie Schlosserei und Tischlerei von Willi Jacob
Tischlerwerkstatt 1935/36
Zur Mahnung und in Erinnerung an den antijüdischen Pogrom vom 9. November 1938