Jüdisches Leben in Pankow
Vom Anbeginn zum Neubeginn
Ausstellung
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Religiöses jüdisches Leben
Jüdische Gemeinschaften bilden sich überall dort, wo Juden wohnen und gemeinsam ihre Gottesdienste abhalten. Ihre Betstätten dienen zuerst der Religionsausübung, sie sind gleichzeitig Orte des Lernens wie auch der Regelung von Gemeindeangelegenheiten und wohltätigen Aktivitäten.
Betraum in einem jüdischen Altersheim, die großen Synagogen im Berliner Zentrum wurden von der Berliner Jüdischen Gemeinde betreut, wogegen sich in den Wohnbezirken der Stadt ein eigenes Gemeindeleben herausbildete, mit eigenen Betstätten und örtlichen Religionsvereinen.
In Pankow wurde im Herbst 1895 die Religionsgemeinschaft "Agudath Achim" von den Gemeindemitgliedern Albert Katz, Moses Heimann, Selig Selbiger und Max Willinski gegründet. Der erste Gottesdienst fand in Räumen des Lehrlingsheims, damals noch Mühlenstraße 1, statt.
Eintragung aus dem Jüdischen Adressbuch von 1931
Benjamin Vogelsdorff war Vorsitzender von "Agudath Achim" in den Jahren 1923 bis 1938.
Schriftführer des Vereins war der Rechtsanwalt Herbert Eger. Seine Wohnung in der Schloßstraße 1 (Ossietzkystraße) galt als offizielle Vereinsadresse.
Moses Heimann starb am 25. Dezember 1925.
Felix Singermann, Rabbiner in Pankow bis etwa 1919
Dr. Isi Broch, Rabbiner in Pankow von 1929 bis 1936 (r.), hier bei der Trauung von Paul Singermann und dessen Braut Susie im Bachad Camp, Buckingham, England, Juni 1947.
Der junge Rabbiner Hans Jürg Hanff wirkte Ende der 30er Jahre im Pankower Waisenhaus, im Mai 1942 wurde er mit seiner Frau von den Nazis deportiert.
Der Unterricht der 15. Religionsschule der Jüdischen Gemeinde fand für Pankower Schüler in Räumen der 6. Katholischen Volksschule in der Schulstraße 29 statt.
Zeugnis von Willi Jacob, Schulleiterin war Blanka Katz aus der Florastraße 58.
Zeugnis von Hanna Ruth Eger
Hebräische Lesefibel
Simon Jedwab war Oberhaupt der Familie, hier beim Sederabend (Vorabend zu Pessach) in der Wohnung Hiddenseestraße 1b (3. v. l.) mit Zylinder. Bei Gottesdiensten vertrat er oft den Kantor in der Synagoge. Sein Enkel David Jedwab aus der Maximilianstraße 11 erinnert sich: "Ich sehe Großvater Shimshon noch heute vor mir in der Synagoge, in weiß gekleidet. Während er mit seiner wunderschönen Tenorstimme die Gebete sang, vergoss er viele Tränen. Auf meine kindliche Frage antwortete er mit, diese Tränen seien Zeichen seines aufrichtigen Glaubens."
Die Pankower Juden hatten im Verlauf der Jahrzehnte unterschiedliche Betstätten. Die früheste war der Betraum im Lehrlingsheim, ab 1896 in der Mühlenstraße 24 auf dem Foto im oberen Fenster im Vorbau.
Der Betsaal in der Schönholzer Straße 10 war die früheste eigene Synagoge von "Agudath Achim", ab etwa 1910.
Notiz aus dem "Anzeiger für den Berliner Norden" vom 6. Juni 1936
Der von Josef Garbáty 1913 gestiftete Betsaal im Pankower Waisenhaus war eine der prachtvollsten Betstätten. An jüdischen Feiertagen konnten die jüdischen Familien aus der Umgegend die Gottesdienste dort besuchen.
Der ebenfalls von Garbáty gestiftete Toravorhang aus rotem Samt, gewidmet dem "Seelengedenken" an seine Frau Rosa Rachel, hing vor dem Toraschrein des Betsaales.
Juden bauen ein neues Gotteshaus in Berlin-Niederschönhausen.
Am 27. September 1935 konnte das im ehemaligen Mädchenhaus, Mühlenstraße 77, ausgebaute Erdgeschoß durch Rabbiner Isi Broch als neu eingerichtete Synagoge feierlich eingeweiht werden. Das Gebäude beherbergte seit 1929 mehrere Wohlfahrts- und Kindereinrichtungen der Berliner Jüdischen Gemeinde, auch die jüdische Zweigbibliothek, und wurde zum jüdischen Gemeindehaus Pankow.
Am 23. März 1934 wurde in der Prenzlauer Promenade 176 die "Liberale Synagoge Nordost" für jüdische Familien aus Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow in Parterre-Räumen eines Wohnhauses eingeweiht, das dem jüdischen Holzfabrikanten Rudolf Klein gehörte.
Erich Schreiber, damals Lehrling in der Holzfabrik auf dem Hof, erinnert sich, dass alle Lehrlinge für die Einweihungsfeier Stühle in den Betraum hinübertragen mussten.
Erwin Zimmet war Rabbiner in dieser Synagoge, die nur bis 1938 bestand, da Fabrik und Haus des jüdischen Eigentümers von den Nazis beschlagnahmt worden waren.
Zur Mahnung und in Erinnerung an den antijüdischen Pogrom vom 9. November 1938
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