Jüdische Lehrer und Schüler
Wie überall, unterrichteten jüdische Lehrer auch in Pankow neben ihren christlichen Kollegen bis 1933 an städtischen Volksschulen, an Gymnasien und Lyzeen. Mehrere von ihnen, die in Pankow wohnten, lehrten auch an jüdischen Volksschulen im Berliner Stadtgebiet.
Kurt Crohn aus der Pankower Pestalozzistraße 29 an der Knabenschule in der Großen Hamburger Straße 27, ab 1936 war er Leiter des Pankower Waisenhauses bis zur Auflösung 1940/41.
Susanne Liechtenstein aus der Mendelstraße 36, hier auf einem Klassenfoto (oberer Reihe links) der jüdischen Grundschule in der Rykestraße, die sie mehrere Jahre leitete, Gertrud Fischer aus der Eintrachtstraße 9 unterrichtete an der jüdischen Mädchenschule in der Kaiserstraße 29-30.
Elfriede Jany aus der Florastraße 50 lehrte an der Volkshochschule in der Rykestraße 53, ...
... ebenso Siegfried Baruch aus der Vinetastraße 48, der später Lehrer am Pankower Jüdischen Waisenhaus wurde.
Der Schulhof Rykestraße, im Hintergrund die Synagoge. Joachim Wilhelmi erinnert sich an seinen jüdischen Lehrer am Pankower Realgymnasium Erich Soltau: "Als ich kürzlich erfuhr, dass Herr Soltau unter die entwürdigenden Rassegesetze des Naziregimes fiel und nur, weil er Teilnehmer am Ersten Weltkrieg war, weiter unterrichten durfte, wurde mir erst soviel später manches von seinem damaligen Verhalten verständlich. Ete, wie wir ihn liebevoll nannten, war für uns, was Disziplin ausstrahlend und fordernd anbetraf, ein pedantisch vorbildlicher Pädagoge. Er unterrichtete uns unter anderem in Deutsch, Erdkunde und Religion."
Klasse, vermutlich Anfang 1936 aufgenommen
Emblem des Realgymnasiums Pankow in der Kissingenstraße, heute Rosa-Luxemburg-Schule. Als hervorragender und "idealer" am Reform-Realgymnasium Niederschönhausen (heute Friedrich-List-Schule in der Kuckhoffstraße), an dem er 1920 bis 1933 unterrichtete, blieb der Studienrat Dr. Rudolf Majut ehemaligen Schülern in Erinnerung. "Wir hatten Deutsch- und Literaturunterricht bei ihm und verehrten ihn alle sehr", erzählt Olaf Barutzki, "strahlte er doch eine ungeheure Ruhe aus. Er war stets sachlich und schimpfte nie, er war unser Lieblingslehrer." Schüler des List-Gymnasiums recherchierten zum ehemaligen jüdischen Lehrer ihrer Schule und erhielten von seiner Witwe Käthe Majut aus Leicester (England) Informationen und die Fotos.
Dr. Rudolf Majut wurde, wie auch andere Pankower Lehrer, 1933 aufgrund der antisemitischen Rassegesetzgebung, dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 aus dem Schuldienst entlassen, nachdem die Schulleitungen alle Namen und Personalien jüdischer und politisch unliebsamer Lehrkräfte an das Bezirksamt melden mussten.
Brief vom Reform-Realgymnasium betreff Majut
Schreiben an die Bezirksämter vom 1. April 1933
Aufstellung des Bezirksamtes Pankow über jüdische und politisch "bedenkliche" Lehrer an Pankower Schulen vom 13. November 1933 mit Erledigungsvermerken
Viele jüdische Familien schulten ihre Kinder in die 6. Volksschule in der Schulstraße 29 ein, heute Gebäude der Pankower Volkshochschule.
Zeugnis von Klaus Herrmann
Einschulungsfoto von der 8. Mädchenklasse, 1930, mit Lehrerin Fräulein Dierich. Maria Smiejek erkennt auf dem Foto zwei jüdische Mitschülerinnen: Aenne Heimann (vorn, im weißen Kleid) und Eveline Moser (rechts, neben der Lehrerin).
Die 6. Jungenklasse auf dem Schulhof, 1932, David Jedwab in der Mitte des Kreises
Artig mit gefalteten Händen: das erste Schuljahr mit Lehrer Steinmetz, 1926, Hans-Philip Vogelsdorff vor dem Lehrer
Günter Welzel erinnert sich an zwei jüdische Schüler auf dem Foto vom Schuljahr 1936/37: Peter Gumpert und Arno Schmuckler.
Fröhliche zehnjährige Mädchen bei einem Schulausflug der 8. Grundschule in Niederschönhausen, Blankenburger Straße, mit ihrem Lehrer, Herrn Köppen. Inge Eichberg weist auf zwei jüdische Schulfreundinnen hin: Lore Lewinski (1. Reihe, 2. v. l.) und die Bäckerstochter Margot Aufrecht (dahinter, mit Baskenmütze). All diese Erinnerungen ehemaliger Pankower Kinder an ihre jüdischen Mitschüler enden mit dem Satz "... und nach 1937, da waren sie plötzlich nicht mehr da!" Bereits 1935, nach Einführung der Nürnberger Gesetze, ergingen Anweisungen der faschistischen Behörden zur Rassentrennung an den Schulen. Nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde der endgültige Ausschluss jüdischer Schüler aus den öffentlichen Schulen verordnet.
Anzahl jüdischer Schülerinnen und Schüler an den öffentlichen Schulen 1925 bis 1938



