Integration in den Pankower Alltag
Unterschiedlichste Schicksale durchlebten Pankower Familien, die in Pankow wohnten und als Geschäftsleute, Handwerker, Händler oder Künstler in der Bevölkerung Vertrauen oder Ansehen genossen.
Eine von den Bewohnern der Umgegend geachtete Familie waren die Janys. Der Vater Adolf Jany, ein ehemaliger Blusenarbeiter, betrieb einen kleinen Laden mit Geschenkartikeln an der Kissingen - / Ecke Berliner Straße; Mutter Margarete Jany hatte sechs Kinder großzuziehen und führte nebenher noch ein Geschäft mit Wirtschaftsartikeln in der Florastraße 48.
Eine von den Bewohnern der Umgegend geachtete Familie waren die Janys. Der Vater Adolf Jany, ein ehemaliger Blusenarbeiter, betrieb einen kleinen Laden mit Geschenkartikeln an der Kissingen - / Ecke Berliner Straße; Mutter Margarete Jany hatte sechs Kinder großzuziehen und führte nebenher noch ein Geschäft mit Wirtschaftsartikeln in der Florastraße 48.
Adolf Jany (1869 - 1938)
Diese alte Postkarte zeigt ganz links den Laden der Margarete Jany.
Margot, die jüngste Enkelin
Landwirtschaftsmaschinen von Max Jany auf einer Ausstellung, Mai 1933
Grabstätte von Adolf und Margarete Jany auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee. Von der Familie Jany starb nur der Vater Adolf Jany eines natürlichen Todes in Pankow. Acht Familienangehörige einschließlich zweier Kinder wurden von den Nazis in Auschwitz ermordet. Die Janys waren eine typische jüdische Familie. Jeden Sonntag kamen die Verwandten in ihrer Wohnung, Florastraße 50, gemütlich zusammen, wo sie von der Großmutter mit gutem und reichlichem Essen verwöhnt wurden, erinnert sich Eva Seker. Die andere Enkelin Ruth Koh denkt an ihre Oma als eine herzensgute, arbeitsame und resolute Frau zurück, an eine richtige "jüdische Mame".
Ruth Koh bei einem Besuch in Berlin, August 1995 (stehend)
Die Familien Jany und Philipsborn: In der Mitte die beiden Berstein-Schwestern Margarete Jany und Bianca Philipsborn. Ganz links Biancas Tochter Frieda mit ihrem Mann Alfred Cohn und dem kleinen Sohn Hans-Dieter; rechts Margarete Janys Tochter Elfriede David und Flora Rosenthal mit ihrem Sohn Heinz-Michael. Vorn sitzend Biancas Sohn James, der einzige in der Runde, der nicht von der Gestapo deportiert wurde.
Familie Philipsborn: Bianca, Frieda, James und Max
Das alte Haus in der Kavalierstraße 23, oben schaut die Familie aus dem Fenster.
Grabstätte von Bianca und Max Philipsborn auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee. Bianca war kurz vor dem Abtransport im Sammellager Große Hamburger Straße verstorben.
Die aus dem polnischen Kalisz nach Berlin übersiedelte Familie Markowicz eröffnete 1920 eine Schneiderei in der Spiekermannstraße 31. Auf dem Foto Vater Gerson mit den Söhnen Abraham, Jakob und Max (v. l.).
Die drei Jungens lernten in der 7. Volksschule Thulestraße, Zeugnis.
Der 13jährige Jakob erhält seine Bar Mizwa, hier stolz mit seiner Gymnasiastenmütze auf dem Kopf, 1928.
Reifezeugnis der Kaempf-Oberschule für Jakob Markowicz
Aus einem Brief des heute in Frankreich lebenden Jakob über das Schicksal seiner Familie
Besuch von Max mit seiner Frau Trude in Israel 1950 bei der Mutter Rosa und dem Bruder Abraham
Der 80jährige Jakob bei einem Besuch in Berlin 1995 vor der ehemaligen Schneiderei in der Spiekermannstraße
Lucie stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, die in Nordhausen ein Warenhaus betrieb.
Lucie und Julius Feist, hier als Soldat im Ersten Weltkrieg.
Die drei Kinder Hans, Elfriede und Herbert vor ihrem Haus in Köln, um 1925. Die große Wirtschaftskrise um 1930 brachte den völligen Bankrott des Unternehmens in Köln. Die Familie zog nach Berlin, nach Pankow in die Zillertalstraße 19. Um den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten, fand Julius Feist keine andere Möglichkeit als die Übernahme eines Kohlenplatzes in der Mühlenstraße 39. Hier verkaufte er Brennholz und Kohlen, die Söhne halfen beim Kohlenaustragen.
Hans auf dem Kohlenplatz, eine Zeichnung von Herbert Feist
Auf einer abenteuerlichen Schiffsfahrt gelingt es Lucie zu Herbert in die USA zu gelangen.
Das Eckhaus Treskowstraße 1.
Leopold Jacob vor dem Schloßpark mit seiner Personenwaage. In einem Brief schreibt sein Sohn Willi (Seev), dass der Vater früher einen vom Großvater übernommenen Fleischerladen in der Oranienburger Straße, gegenüber der Großen Synagoge, betrieben hatte, der im Inflationsjahr 1932 bankrott ging. Der andere Sohn Heinz (Zwi) erzählt, dass gemäß der Familientradition eine Schwester des Vaters, "Tante Frieda, in der Markthalle am Alexanderplatz in der Reihe 13 einen koscheren Aufschnitt-Stand" hatte.
Zeugnis von Willi Jacob.
Klassenfoto vom Reform-Realgymnasium Niederschönhausen mit Lehrer Schaper, 1933.
Die Mutter Charlotte Jacob auf dem Balkon der Dachwohnung in der Treskowstraße 1.
Willi (r.) mit seinem Schulfreund Peter Weiß.
Frieda Vogelsdorff hatte in der Berliner Straße 3 ein Posamentier- und Weißwarengeschäft übernommen, das bis Ende der dreißiger Jahre im Familienbesitz blieb. "Chalm & Olitzki" hieß es zuerst, dann "Kaufhaus Rosenthal" und später Wäschehaus "Rekord". Hier wuchsen ihre Kinder Ada, Gertrud, Ella und Benno (Benjamin) auf.
Gertrud, hier mit ihrem Ehemann Hermann Rosenblum, führte später das Geschäft weiter.
Gertruds Kinder Eva, Alexander und Miriam. Sie konnten noch rechtzeitig Deutschland verlassen, während ihre Mutter zurück blieb und 1942 von der Gestapo nach Riga deportiert wurde.
Friedas Sohn Benno wurde Zahnarzt, Kieferspezialist, hier in seiner Praxis in der Breiten Straße 16A, 1935.
Tochter Eva-Lore als Assistentin der Zahnarztpraxis ihres Vaters, 1935.
Benjamin Vogelsdorff mit Arztkollegen beim Militärdienst während des Ersten Weltkrieges (Mitte vorn). Viele Jahre lang war er Vorsitzender des Pankower Religionsvereins "Agudath Achim".
Familie Vogelsdorff bei der Einweihung der Benjamin-Vogelsdorff-Straße (ehemalige Straße 22) am 9. November 1994; in der Mitte mit hellem Mantel der Sohn Eli Vogelsdorff (Israel) und zweite von rechts Eva Perls (London), Tochter von Gertrud.
Die Gruppe spielte bei verschiedensten Gelegenheiten, bei Festlichkeiten und Bällen zum Tanz auf. Siegmund Petruschka selbst spielte Trompete (oben im Bild). Er komponierte auch Bühnenmusiken für Theatervorstellungen und machte...
...Arrangements für Schallplattenaufnahmen (Annonce Lukraphon). Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten erhielt die Gruppe keine Auftrittsmöglichkeiten mehr.
Die Reichskulturkammer erteilte ihm Berufsverbot, hier angesprochen mit seinem bürgerlichen Namen Friedmann. In den folgenden Jahren musizierte er im Rahmen des 1933 gegründeten Jüdischen Kulturbundes...
...als Trompeter im Kulturbund-Orchester...
...und in der Tanzkapelle des Kulturbundes (hintere Reihe, Mitte). 1938 emigrierte er mit der Familie nach Palästina, wo er in der Musikabteilung des Jerusalemer, später Israelischen Rundfunks 30 Jahre lang als Shabtai Petruschka aktiv tätig war.
Shabtai und Irma, Israel 1970.
Die Familie Friedländer war seit mehreren Generationen in der Pelzwarenbranche tätig. Ein seltenes Dokument blieb erhalten: ein Bürgereid mit jüdischer Eidesformel - so genannter "Judeneid" - zur Verleihung des Bürgerrechts der Stadt Leipzig an Michael Friedländer im Jahre 1873.
Kopfbogen. Sein Sohn Louis Friedländer betrieb eine Pelzwarenfirma in der Berliner Wallstraße zur Herstellung von Jacken und Mänteln. Der Sohn von Louis, Kurt Friedländer, war Kaufmann und wohnte mit seiner Frau Charlotte und den Töchtern Sonja und Felicitas in der Pankower Dolomitenstraße, später in der Mühlenstraße 22. Er arbeitete im Familienbetrieb in der Wallstraße und Charlotte entwarf neue Modelle für Pelzbekleidung.
Ausweis mit Foto von Kurt Friedländer. Trotz seiner so genannten "Mischehe" mit einer nicht-jüdischen Frau war Kurt auch den Zwangsverordnungen der Nazis unterworfen.
Zwangsarbeiterkarte vom Arbeitsamt, Teilbeschäftigungskarte.
Kennkarte und gelber Stern von Kurts Mutter Margarete.
Fahrtgenehmigung zum Besuch seiner im Krieg evakuierten Töchter.
Kurt Friedländer in den Nachkriegsjahren.
Erbbegräbnis der Familie Friedländer auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee.



