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Jüdisches Leben in Pankow

Vom Anbeginn zum Neubeginn

Ausstellung

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Jüdische Familien siedeln sich an

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Pankow jüdische Ärzte, Handwerker und Künstler an und nahmen Einfluss auf das Leben in ihrer Umgebung - dargestellt an fünf Familien.

Einer der ersten, namentlich bekannten Persönlichkeiten in Pankow war der Arzt und Geburtshelfer Dr. Eduard Heymann (1815 - 1887). 1841 erhielt er in Pankow seine Approbation, 1850 erwarb er ein Grundstück in der damaligen Dorfstraße, heute Breite Straße 46. Als er 1860 schwer erkrankte, übergab er seinem jungen Arztkollegen Emanuel Mendel seine Praxis. Sein Sohn Paul, 1849 in Pankow geboren, wurde ebenfalls Arzt und praktizierte als Laryngologe in Berlin.

Vier Generationen der Familie Heimann sind in Pankow sesshaft geworden und wurden durch Heirat der Töchter und Söhne zu einer weit verzweigten Pankower Großfamilie: Heimann - Epel - Schlesinger - Pinner - Henschel - Moser. Sie wohnten im Zentrum Pankows zwischen Hartwig- (Wolfshagener -), Kavalier-, Eintracht-, Park- und Berliner Straße eng beieinander.
Die Gräber von Eduard Heymann und seiner Frau Johanna auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.
Dr. Emanuel Mendel (1839 - 1907)
Wie sein Vorgänger betreute er in den sechziger Jahren neben seiner Praxis Patienten in Pankow und den 22 umliegenden Dörfern des Kreises Niederbarnim als Arzt und Geburtshelfer.
Auszeichnungen der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität als Geheimer Medizinalrat in Würdigung der Verdienste Mendels als medizinischer Sachverständiger für die Gemeinde Pankow, im Besonderen für die Errichtung des Krankenhaus-Neubaues und dessen Förderung, auch mit eigenen Mitteln.
Das 1906 eröffnete Krankenhaus in der Galenusstraße mit der noch verhüllten Büste Emanuel Mendels, kurz vor ihrer Einweihung 1911. Um 1938 ist die Büste von den Nazis entfernt worden wie auch die 1893 nach ihm benannte Straße ihres Namens beraubt wurde. Er hatte der Pankower Gemeinde zwei Morgen Land zum Bau eines Wasserwerkes überlassen und war dafür geehrt worden. 1947 erhielt ...
... die Straße wieder den Namen Mendels.
1893 kaufte Mendel das Grundstück Breite Straße 44 und wohnte in diesem Haus mit seiner Familie: seiner Frau Susanne, den beiden Arztsöhnen Kurt und Fritz und den Töchtern Gertrud und Charlotte mit ihren Familien.
Stammbaum der Familie Selbiger ab 1827
Glasermeister Selig Selbiger mit Frau Regine und den Kindern Hedwig, Käthe, Flora, Fritz
Die Glaserei in der Wollankstraße 125, um 1903 ...
... und in der Wollankstraße 133, um 1920
Glückwunsch zum 50. Geschäftsjubiläum
Glückwunsch zum 50. Geburtstag vom Pankower Religionsverein "Agudath Achim", dessen Mitbegründer Selig Selbiger im Jahre 1895 gewesen ist. Bezugnehmend auf die Synagoge in der Schönholzer Straße 10 schreibt der Sohn Fritz: "Einfach und würdig war die kleine Synagoge in Pankow. Vater saß als Parnes (Vorsteher) auf der Ehrenbank nahe dem Thoraschrein. Jom Kippur blieb er den ganzen Tag in der Synagoge und zu Sukkoth baute er im garten der Synagoge eine Laubhütte, ausgeschmückt mit schönen Bildern ..."
Beileid des Pankower Religionsvereins zum Tode von Selig Selbiger, 1932
Sohn Fritz, ebenfalls Glaser, übernimmt das Geschäft (späteres Foto)
Schreiben von Garbáty
Fritz erlebt Demütigungen und Rechtlosigkeit in der Nazizeit, trotz seiner nicht-jüdischen Mutter.
Haushaltsausweis
Juden war das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gestattet; Ausnahme war ein weiter Weg zur Arbeitsstätte. Hierzu gab es eine Fahrtgenehmigung.
Die Firma bestätigt seine Anstellung.
Aus einem Brief von Anne H. Kormes, geborene Heimann, über die Familie Epel, 1994
Anne Kormes 1994 in Florida
Der Stammvater Moses Heimann (1840 - 1925), von Beruf Graveur, kam aus dem Rheinland nach Berlin, ebenso seine Frau Luise. In Pankow gründete er nach der Jahrhundertwende in der Berliner Straße 13 eine Spitzenpapier-Fabrik und Gravieranstalt, die bis zur Zwangsenteignung durch die Nazis 1938 von Familienangehörigen, vor allem vom Sohn Felix und dessen Söhnen Paul und Hans, weitergeführt wurde. Moses Heimann war Mitbegründer der Israelitischen Religionsgemeinschaft "Agudath Achim" in Pankow (1895) und deren langjähriger Vorsitzender.
Grabstätte von Moses und Luise Heimann auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee
Rose Heimann, geborene Epel, mit Tochter Aenne auf dem Balkon ihrer Wohnung in der Hartwigstraße 13, 1934
Josephine Schlesinger, geborene Heimann, mit Tochter Lilli Epel und Enkelin Eva (später Ajzenberg)
Anni Heimann mit Ernst und Susi (später Misrachi), 1929
Die Kinder des Tabakschneiders Leon (Leib) Epel und seiner Frau Sarah: Konrad, Rose, Jakob und Max, um 1910
Die Schriftstellerin Paula Dehmel lebte von 1862 - 1918 in Berlin. 1893 kam sie mit ihrem Mann, dem Schriftsteller und Lyriker Richard Dehmel, nach Pankow.
Mit ihren beiden Kindern wohnte sie bis zu ihrer Scheidung 1899 in der Parkstraße 25 (heute 56). Paula war Jüdin, Tochter des Predigers der jüdischen Reformgemeinde Julius Oppenheimer, und eine sensible Dichterin. Sie widmete sich vor allem der Kinderliteratur, veröffentlichte Märchenbücher und Kindergedichte.
Titelblatt und ausgewählte Seiten aus dem Buch "Auf der bunten Wiese", Kindergedichte, ein illustriertes Buch von 1912
Verzeichnis Berufe von Pankower Juden
Verzeichnis der Jüdischen Gemeinde
Zur Mahnung und in Erinnerung an den antijüdischen Pogrom vom 9. November 1938