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Jüdisches Leben in Pankow

Vom Anbeginn zum Neubeginn

Ausstellung

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Rückkehr aus Lagern und Illegalität

Die von den Nationalsozialisten fast ausgelöschte jüdische Gemeinde in Pankow konnte sich nach der Befreiung vom Faschismus im Mai 1945 mit 194 Überlebenden neu formieren. Dies wurde möglich durch Rückkehr aus Konzentrations- und Vernichtungslagern, aus der Illegalität; mit denjenigen, die durch ihre nichtjüdischen Ehepartner und als Kinder aus diesen "Mischehen" gerettet werden konnten sowie durch Neuansiedlung von Emigranten.
Statistik jüdischer Gemeindemitglieder
Erna Paegolow, 1998. Erna Paegelow, Putzmacherin aus der Görschstraße überlebte Auschwitz, Bergen-Belsen und Raghun und wurde in Theresienstadt befreit. Nach ihrer Genesung vom Flecktyphus konnte sie im Juli 1945 zu ihrem Mann nach Pankow zurückkehren.
Armbinde mit ihrer in den linken Arm eingebrannten Auschwitz-Nummer
Abschnitt einer Geldüberweisung ihres Mannes, die sie nie erhalten hat
Arnold Munter bei einer Führung über den jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee, 1997. Arnold Munter aus der Pankower Berliner Straße war vielseitiger Handwerker, unter anderem Rohrleger und Klempner. In Theresienstadt musste er als Dachdecker arbeiten, was ihm oben auf den Dächern oft "gute Aussichten" auf das Lagergeschehen ermöglichte.
Zeichnung von Gita Fröhlich aus dem Lager. Bis unters Dach zusammengepfercht lebten hunderte inhaftierter Menschen in Kasernen der ehemaligen Festung von Terezin, nordwestlich von Prag. Im Ghetto und KZ Theresienstadt wurden von etwa 140.000 jüdischen Häftlingen 87.000 nach Auschwitz in die Gaskammern geschickt. Von 15.000 Kindern überlebten nur wenig mehr als 100.
Kinderzeichnung aus Theresienstadt
Herbert Sandberg aus der Platanenstraße in seinem Atelier, 1977
Zeichnungen aus dem Zyklus "Eine Freundschaft", 1944 im KZ Buchenwald mit Ofenruß und Schlämmkreide angefertigt
Siegfried Baruch, einst Lehrer am jüdischen Waisenhaus in Pankow, überlebte Theresienstadt und Auschwitz und nahm nach seiner Rückkehr die Arbeit mit Kindern wieder auf. Vom ehemaligen Säuglingsheim in der Moltkestraße 8-11 übernahm er die Leitung des Kinderheims in einem der Häuser, das andere wurde zum Altersheim der Jüdischen Gemeinde Berlin.
1945 zogen 38, von Krieg und KZ gezeichnete Kinder hier ein.
Die Synagoge im Altersheim
1965 erhielt das Kinderheim in der Moltkestraße, dann Wilhelm-Wolff-Straße, eine Gedenktafel, von Heinz Worner nach einem Motiv von Käthe Kollwitz gestaltet.
Paula Wünsche zog mit ihrem Sohn Peter in die Kavalierstraße 19.
Dr. Benjamin und Marie Vogelsdorff zogen in die Kaiser-Wilhelm-Straße 79 (Dietzgenstraße). Siegmund und Margarete Weltlinger zogen in den Retzebacher Weg 66. Siegmund Spieler zog mit seiner Frau Sophie in die Stubnitzstraße 16. Sally Simoni war den Gestapo-Häschern bei der "Fabrikaktion" am 27. Februar 1943 entkommen, er stand bereits auf der Transportliste. Seine spätere Frau Grete Künkel und ihre Familie in Schöneiche halfen mit Verstecken, bis er eines Tages im Januar 1945 noch gefasst und nach Theresienstadt verbracht wurde. Im Juni kam er nach Pankow in die Maximilianstraße und betrieb eine Schneiderei in der Berliner Straße 122 neben dem Waisenhaus bis zu seinem 80. Lebensjahr. Grete Simoni nahm den jüdischen Glauben ihres Mannes an und wirkte 20 Jahre lang als Leiterin des Altersheimes in der Wilhelm-Wolff-Straße.
Grete und Sally Simoni mit Sohn Benno.
Der Widerstandskämpfer Gerhard Danelius hatte im Verlaufe seiner illegalen antifaschistischen Tätigkeit auch in der Kattowitzer Straße 7 bei Ruth Sieg und Käthe Schulz in Karow Unterschlupf gefunden. Nach Kriegsende kehrte er zurück und wurde durch die Sowjetarmee als erster Bürgermeister von Karow eingesetzt.
Vier Widerstandskämpferinnen aus der jüdischen Herbert-Baum-Gruppe. Zwei von ihnen kamen wieder nach Pankow: Rita Meyer, verheiratet Zocher und Charlotte Holzer (1. und 3. v. l.). Beide Frauen waren im Oktober 1942 wegen illegalen politischen Wirkens verhaftet worden. Rita Meyer überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück. Charlotte Holzer war vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden und befand sich in Gestapohaft, konnte aber während eines Bombenangriffs aus der Pathologie des Jüdischen Krankenhauses, wo sie gefangen gehalten wurde, entfliehen und bis Kriegsende in der Illegalität untertauchen.
Die Pathologie des Jüdischen Krankenhauses an der Schulstraße im Wedding
Zur Mahnung und in Erinnerung an den antijüdischen Pogrom vom 9. November 1938