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Jüdisches Leben in Pankow

Vom Anbeginn zum Neubeginn

Ausstellung

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Vertreibung - Deportation - Vernichtung

Bereits Monate vor der berüchtigten Wannsee-Konferenz der NS-Führung vom 20. Januar 1942 zur Ausrottung des europäischen Judentums hatten in Deutschland die Deportationen ganzer jüdischer Familien in Ghettos und Konzentrationslager begonnen, aus denen es nur selten eine Rückkehr gab. In Berlin begannen die ersten Verhaftungen in Richtung Osten am 18. Oktober 1941. Anstelle der Auswanderung ist nunmehr, so heißt es im "Besprechungsprotokoll" der Konferenz, die "Evakuierung der Juden nach dem Osten" getreten.
Aus dem Protokoll der Wannsee-Konferenz: Vernichtungsplan, so genannte "Endlösung" für europäische Juden
Abtransport Berliner Juden am 12. April 1942, von der Gestapo fotografiert
Das ehemalige Altersheim der Jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburger Straße 26 wurde neben der Synagoge in der Levetzowstraße zum Sammellager für die aus ihren Wohnungen geschleppten Familien. Erinnerungstafel.
Das Denkmal von Willi und Marc Lammert erinnert an diese Stätte. Als erste Pankower deportierte die Gestapo die jüdische Arztfamilie aus der Fischer aus der Breiten Straße 8/9 am 24. Oktober 1941 in das Ghetto nach Riga: Frieda Fischer mit ihrer Tochter Lotti und dem Sohn Heinz.
Heinz Fischer, von seinen Freunden als begabter Pianist verehrt. Ilse Rewald erinnert sich an unvergessliche Stunden in der Breiten Straße: "Vierhändig spielte er uns mit seiner Mutter Sinfonien von Beethoven vor. In dem Musikzimmer erklangen Schubert, Brahms, Mendelssohn, Grieg und Chopin. Sein Spiel verzaubert uns für Stunden in eine andere Welt. Von allen kulturellen Veranstaltungen ausgeschlossen, vergaßen wir die täglichen Schikanen und Diskriminierungen und schöpften neue Hoffnung und Kraft für den grauen Alltag." Die Deportation von Pankower Juden blieb in der Bevölkerung nicht unbeobachtet. Maria Smiejek erzählt, dass sie und ihre Mutter mitsahen, wie in der Nähe des Bahnhofs Pankow jüdische Menschen mit dem "Judenstern" an der Kleidung um einen Lastwagen standen, in den sie von Gestapoleuten und Polizei hineingestoßen und -geprügelt wurden.
Mädchen mit Stern
Theo Balden: Der Faschist, 1936/37
Das ehemalige Vergnügungslokal "Clou", das bei der "Fabrikaktion" als Sammelstelle genutzt wurde.
Briefkopf Georg Herrmann
Dies war das "Judenhaus" in der Platanenstraße 114, das der Familie Herrmann gehörte. Alle dort eingewiesenen Familien wurden deportiert. Einzig Überlebender ist Gangolf Herrmann, der als Jugendlicher auswandern konnte. Der in Kanada Lebende erhielt nach Kriegsende von ehemaligen Nachbarn Briefe mit Augenzeugenberichten von der Deportation seiner Familie.
Katharina Sondermann schreibt über die Verhaftung der Mutter und der Großmutter.
Jüdischer Friedhof Weißensee, Gedenkstätte für KZ-Opfer
Gedenkstein für die Familie Jacobsohn auf diesem Feld. In der Kaiser-Wilhelm-Straße 5 (Dietzgenstraße) betrieb die Familie Jacobsohn ein Gemischtwarengeschäft, schrieb Ruth Israelski, da waren drei Kinder. "Die Mädchen gingen mit uns zusammen ins Elisabeth-Christinen-Lyzeum. Nach der Schule studierte Ruth Medizin, Gerda wanderte nach Israel aus und heiratete. ... Als die Deportation nahte, da band sich die Ruth die medizinischen Instrumente mit einem Gürtel um die Taille in der Hoffnung, sie könnte dort im Lager noch in ihrem Beruf arbeiten. Aber nur der Tod erwartete die intelligente Frau. Als erster wurde der Vater abgeholt und musste im Steinbruch schwerste Arbeit leisten, starb bald, und die Urne wurde den Angehörigen geschickt. Anlässlich eines Besuches auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee fanden wir dort sein Grab."
Die Familie Jacobsohn hatte dem jüdischen Künstler Julius Cohn im Dachgeschoss ihres Hauses ein Atelier eingerichtet. Anstelle der Miete fertigte er von der ganzen Familie Porträtzeichnungen an. Dies hier ist eine spätere Zeichnung aus dem französischen Internierungslager Gurs, 1942 unter seinem Künstlernamen Collin-Turner angefertigt.
Zwei Seiten aus der Deportationsurkunde von Josephine Schlesinger
Unterschrift unter der Vermögenserklärung
Die 1870 geborene Josephine Schlesinger, Tochter von Moses Heimann, war beim Besuch ihrer Kinder und Enkel in Palästina 1938 dringend von ihnen aufgefordert worden, Deutschland zu verlassen. Doch sie entgegnete: "Mir alten Frau passiert schon nichts." und blieb in Pankow bis sie am 13. Januar 1942 verhaftet und nach Riga deportiert wurde.
Margarete Jany aus der Florastraße 50, Mutter von sechs Kindern und Inhaberin des Wirtschaftsartikel-Geschäftes in der Florastraße 48, ist mit 69 Jahren nach Theresienstadt und von dort zur Vergasung nach Auschwitz deportiert worden. Mehrere ihrer Kinder und Enkel ereilte das gleiche Schicksal. Frau Döge aus dem Nebenhaus hatte beobachtet, wie vier Mitglieder der Familie im März 1943 aus dem Haus geholt und auf den Lastwagen vor der Tür regelrecht "raufgeschmissen" wurden.
Erste und letzte Seite aus der Vermögenserklärung aus der Deportationsakte von Margarete Jany
Aus der Akte: Brief der Hauseigentümerin Schulz, der die Verhaftung der Familie Jany aus der Florastraße 50 bezeugt, so auch die Verhaftung von Margaretes Tochter Elfriede David
Elfriede David
Enkel Heinz-Michael Rosenthal. Günter Döge berichtet von der tätigen Hilfe der Familie Schulz für ihre jüdischen Mieter. Der Mann hatte im haus eine Bäckerei und hat die Familie Jany "die ganze Zeit über mit Backwaren versorgt."
Familie Wassmund, Pankow um 1937: vorn sitzend Hedwig Wolff, in der Mitte Julius Wassmund, links von ihm seine Frau Margarete, rechts Lily Dörrier
Kennkarte von Lily Dörrier
Tochter Vera, verheiratet Breitwieser
Abstammungsbescheid für Vera Dörrier vom "Reichssippenamt"
Rudolf Dörrier an seinem 97. Geburtstag, dem 18. September 1996
Zur Mahnung und in Erinnerung an den antijüdischen Pogrom vom 9. November 1938